Warum wir impfen
Viele Krankheiten stellen heute dank des Impfens keine Bedrohung mehr dar, sind entsprechend vielen Menschen nicht mehr präsent und haben so auch einiges von dem Schrecken verloren, den sie früher verbreitet haben. Wir Kinderärzt:innen haben in unserer Ausbildung im Spital noch solche schweren Verläufe gesehen.
Deshalb teilen wir alle die gleiche Überzeugung: Impfungen sind sinnvoll und ihr Nutzen überwiegt mögliche Risiken bei weitem. Alles Weitere besprechen Sie bei Bedarf mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Erstes Lebensjahr
Inzwischen wird für praktisch alle Impfungen ein sogenanntes 2:1-Schema empfohlen: Nach zwei Impfungen im Abstand von ein bis zwei Monaten folgt eine Auffrischimpfung mit längerem Abstand, idealerweise nach sechs bis neun Monaten.
Für die Kombinationsimpfung in der Säuglingszeit — meist «Starrkrampfimpfung» genannt — bedeutet das: Nach den Impfungen mit 2 und 4 Monaten wird die Auffrischimpfung mit 12 Monaten durchgeführt. Die nächste Impfung ist dann erst wieder im Schulalter vorgesehen, bei uns üblicherweise im Rahmen der 6-Jahres-Kontrolle.
Diese Kombinationsimpfung beinhaltet neben dem Wirkstoff gegen Starrkrampf auch solche gegen Keuchhusten, Kinderlähmung, Diphtherie, Hepatitis B sowie gegen Hirnhautentzündung durch Haemophilus influenzae Typ b.
- Pneumokokken
- Schützt vor einer Hirnhautentzündung, die praktisch nur Kinder vor dem Kindergartenalter bedroht. Wegen der überzeugenden Wirksamkeit gehört sie zum Standard-Impfplan und wird ebenfalls im 2:1-Schema verabreicht.
- Masern, Mumps, Röteln, Windpocken
- Wirkt anders und muss nur zweimal im Leben verabreicht werden. Der optimale Zeitpunkt für die erste Dosis liegt bereits mit 9 Monaten statt mit 12. Erfolgt die zweite Impfung kurz nach dem ersten Geburtstag, ist der lebenslange Schutz vollständig aufgebaut.
- Meningokokken
- Bakterien, die bei unter 5-jährigen Kindern schwere Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen verursachen können. Seit Januar 2024 gibt es auch in der Schweiz einen Impfstoff gegen die Gruppe B, die 40 % der Krankheitsfälle ausmacht. Der Impfstoff gegen die Untergruppen C, W und Y wird normalerweise erstmals mit 13 Monaten verabreicht.
Zweites Lebensjahr
Ein psychologisch wichtiger Effekt des 2:1-Schemas ist, dass das Kind ab einem Alter von 13 bis 15 Monaten erst einmal nicht mehr mit Spritzen in Kontakt kommt. Das fördert das Vertrauen in uns behandelnde Ärzt:innen, da Kinder im zweiten Lebensjahr deutlich kritischer sind und sich vieles besser merken als am Anfang des Lebens.
Keuchhusten: warum Erwachsene sich impfen lassen sollten
Keuchhusten (Pertussis) wird heute häufiger von Jugendlichen und Erwachsenen übertragen als von Kleinkindern. Der Impfschutz hält nicht so lange wie erwünscht und die Symptome sind mitunter nicht schwerwiegend — «chronischer Husten» wird teilweise akzeptiert. Von diesen Altersgruppen geht damit die grösste Gefahr der Übertragung auf Säuglinge aus, die am schwersten erkranken können. Leider gibt es immer wieder Todesfälle bei Babys durch Pertussis.
Alle Erwachsenen und Jugendlichen, die in der Familie oder im Beruf regelmässigen Kontakt zu Säuglingen unter sechs Monaten haben, sollten einen aktuellen Schutz gegen Keuchhusten aufweisen. Empfohlen ist eine einmalige Auffrischimpfung, wenn die letzte Keuchhusten-Impfung länger als zehn Jahre zurückliegt. Die letzte Tetanus-Impfung sollte mindestens vier Wochen zurückliegen.
HPV-Impfung
Bei der HPV-Impfung, bekannt als Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, gilt inzwischen auch in der Schweiz: Unabhängig vom Lebensalter erreicht man mit zwei Impfdosen im Abstand von sechs Monaten einen ausreichenden Schutz. Früher sollten über 15-Jährige drei Dosen bekommen.
Zusätzliche Impfungen und Reiseimpfungen
Es gibt Impfungen gegen Hepatitis A, Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), Grippe und weitere, vor allem für Auslandsreisen. Haben Sie dazu Fragen, wenden Sie sich bitte an uns.
Je nach Reiseziel sind rechtzeitig vor der Reise zusätzliche Impfungen wie Hepatitis A, Gelbfieber oder Typhus empfohlen oder sogar Pflicht. Bei Reisezielen ausserhalb Zentraleuropas nehmen Sie bitte rechtzeitig mit uns Kontakt auf.
Mögliche Nebenwirkungen
- Diphtherie
- Lokale Reaktionen: Rötung und Schwellung an der Einstichstelle.
- Wundstarrkrampf (Tetanus)
- Lokale Reaktionen oder eventuell leichtes Fieber. Bei zu häufigen Auffrischimpfungen im Jugend- und Erwachsenenalter kann es zu stärkeren lokalen Entzündungsreaktionen kommen. Wir achten möglichst genau auf die empfohlenen Abstände, um sie zu vermeiden; sie sind ungefährlich, aber lästig.
- Keuchhusten (Pertussis)
- Die heutigen azellulären Impfstoffe sind gut verträglich. Eventuell Lokalreaktionen oder leichtes Fieber. Bei der 4. und 5. Dosis wurden gelegentlich ausgeprägte Schwellungen im Bereich der geimpften Extremität beobachtet; sie dauern ein bis zwei Tage, sind wenig schmerzhaft und brauchen keine Therapie.
- Haemophilus influenzae Typ b
- Lokale Reaktionen und leichtes Fieber von kurzer Dauer.
- Kinderlähmung
- Eine Impfpolio ist bei den heutigen inaktivierten Totimpfstoffen nicht mehr möglich. Selten lokale Reaktionen, kurzes Fieber oder Müdigkeit.
- Hepatitis B
- Lokale Reaktionen und leichtes Fieber sind möglich.
- Masern
- In etwa 1 von 3000 Fällen kann es zu Fieberkrämpfen kommen. In sehr seltenen Fällen ist — wie bei der natürlichen Erkrankung — eine Gehirnentzündung möglich; die Häufigkeit liegt bei weniger als 1 zu 1 Million Impfungen und ist damit 1000- bis 10 000-mal seltener als nach echten Masern. Im Gegensatz zu natürlichen Masern wird sie nach Impfungen nie chronisch. Immungeschwächte und Schwangere dürfen nicht gegen Masern geimpft werden.
- Mumps
- In wenigen Fällen tritt in der zweiten Woche nach der Impfung Fieber auf.
- Röteln
- Etwa eine Woche nach der Impfung kann ein flüchtiger, harmloser Ausschlag auftreten. Bei erwachsenen Frauen kann in seltenen Fällen eine vorübergehende Gelenkentzündung und ein vorübergehender Abfall der Blutplättchen beobachtet werden. Immungeschwächte und Schwangere dürfen nicht gegen Röteln geimpft werden.
